RISE Weltweit Internship in Kanada - meine Erfahrungen

Aug 10, 2016 · 8 min read

Im Sommer 2015 habe ich mit dem DAAD RISE Weltweit Praktika Programm fur Nawis im Bachelor ein Auslandspraktikum an der Universite de Montreal absolviert. In diesem Blogpost beschreibe ich meine Erfahrungen mit dem Programm. Absolviert wurde das Praktikum in der AG von Joelle Pelletier (Chair of Biocatalysis).

Allgemeiner Teil

Montreal

Montreal ist eine wunderschon grune und offene Stadt, die europaischen Metropolen in wenig nach steht und mir wesentlich besser gefallen hat als beispielsweise New York. Besonders hervorzuheben ist neben den sehr freundlichen Menschen und dem herausragenden Wetter im Sommer vor allem das kulturelle Angebot. Jedes Wochenende findet irgendwo ein Festival sei es Musik, Kunst oder Poutine (das Nationalgericht Quebecs) statt und auch sonst gibt es sehr viele Angebote fur International Students. Besonders in der Zeit des Rentrees also dem Semester/Schulbeginn findet jeden Tag ein Pub Crawl, Konzert oder ein Picknick mit International Students oder Locals statt. Auch veranstaltet jede Uni ein Konzert (teils sogar mehrtagig) mit vielen weiteren Aktionen fur ihre „Froshs". In meinem Jahr waren in Montreal 9 RISE Praktikanten, weshalb es empfehlenswert ist sich vor den Praktika uber Facebook oder per Mail schon einmal kurz zu schließen und eventuell Aktionen zu planen die langeren Vorlauf benotigen. So haben wir uns fur das lange Labour Day Wochenende eine Hutte in der Mauricie Gegend gemietet. Dies sollte man schon im Marz oder April in Angriff nehmen, da danach alle Hutten ausgebucht sind. Falls man im Sommer/Herbst in Montreal ist sollte man sich die Feiertage Labour Day und Thanksgiving vormerken.

Reisen in Quebec und Ontario

Die offentlichen Verkehrsmittel fur die Langstrecke sind in Kanada quasi nicht existent. Fur Langstreckenbusse gibt es einige wenige Anbieter. Bei Megabus gibt es die ersten Tickets fur die jeweilige Verbindung sogar fur 1 CAD. Greyhound ist meistens deutlich teurer. Die Zuge von VIARail kann man laut den Aussagen der Locals vergessen. Nach Toronto braucht man mit dem Zug gar langer als mit dem Bus. Fur alle Reisen speziell in die Nationalparks empfiehlt es sich ein Auto zu mieten (ADAC empfehlenswert wegen Versicherung, allerdings teuer). Eine andere Moglichkeit ist mit Locals wie dem McGill Outdoors Club (Anmeldung uber Mailingliste) oder Organisationen wie Interstude, CISA o.Ä weg zu fahren.

Der Nahverkehr in Montreal ist hingegen wirklich gut. Das Metronetz ist nicht groß aber sehr sauber und zuverlassig. Die Metro fahrt allerdings nur bis um 1 Uhr nachts. Danach gibt es einige wenige Nachtbusse. Die Linienbusse fahren tagsuber teilweise im Abstand von einer Minute und halten auch an jeder Straßenkreuzung. Fur die Metro ist es moglich einen Student Discount zu bekommen (statt 90CAD nur noch 49CAD). Hierfur braucht man aber von seiner Uni eine Bestatigung, die man an der Station Berri UQAM oder an der Campustour der Societe de Transport Montreal vorzeigen muss, um eine OPUS Card mit Studentenstatus zu bekommen. Gewohnungsbedurftig in den Bussen ist, dass es keinerlei Ansagen uber die nachste Haltstelle gibt.

Mit dem BIXI Leihradsystem existiert auch eine umweltfreundliche Alternative zu Bus und Metro. Das System in Montreal ist das Vorbild fur die Leihradsysteme in London und anderen Stadten gewesen und die Stationen sind fast uber die ganze Stadt verteilt. Eine Fahrt ist nicht teuer. Fur mehr als eine halbe Stunde Fahrzeit zahlt man jedoch extra.

Reisen mit dem Auto ist in Ordnung. Der Fahrstil der Kanadier ist aber ganz im Gegensatz zur Freundlichkeit mit dem die Menschen einem dort begegnen eher aggressiv. An die Tempolimits halt sich so gut wie niemand und man kann auf den Highways sowohl rechts als auch links uberholt werden.

Lebensunterhalt/Lebensmittel.

Kanada ist ein bisschen teurer als Deutschland. Speziell die Preise fur Milchprodukte sind sehr teuer. Gemuse und vieles weiteres kann man in Montreal auf einem der vielen uberdachten Markten wie Jean Talon oder Atwater Marche an jedem Tag gunstig erstehen. Beim Brot muss man jedoch meist Abstriche machen.

Die Mieten in Montreal sind nicht gunstig aber auch nicht extrem uberteuert. Im Bereich 500 bis 650 CAD sollte man ein gutes Zimmer finden.

Das Stipendium vom DAAD ist ausreichend und den Lebenshaltungskosten angemessen. Außerdem wird pauschal fur Flug und Visa nochmal ein Betrag (fur Kanada 1450€) uberwiesen zusatzlich zur monatlichen Rate (750€).

Work Permit

Aufgrund von Verfahrensumstellung beim Einwanderungsministerium (CIC) hatte sich 2015 in der Beantragung des Work Permits einiges geandert. Die Formulare konnten recht einfach uber das Online Tool des CIC hochgeladen werden. Aufgrund des DAAD Stipendiums war man als „Award Recipient" von einem Labour Market Impact Assessment befreit. Den Status Award Recipient konnte man jedoch nicht direkt eingeben sondern musste dies mit den vom DAAD bereitgestellten Dokumenten dann in der Dokumentenuploadmaske erledigen.

In der Eingabemaske des CIC musste der Status „work permit with a Labor Market Impact Assessment exemption" ausgewahlt werden.

Fur das CIC mussten folgende Dokumente und Forms eingereicht werden

  • Application for WorkPermit made outside of Canada (IMM1295)
  • CV
  • Fotokopie Passport
  • IMM5802: LMIA-Exempt (Wichtig dass man von noch hoheren Gebuhren befreit wird, Ausgenommen von Labour Market Opinion Assessment ist man u.a als „Award Recipient")
  • Proof that you meet the requirements of the job ( Hier habe ich ein Transcript of records von meiner deutschen Uni hochgeladen)
  • Family Information Form (IMM5707)
  • Employer Payment Receipt (erhalt man von seinem Arbeitgeber)
  • Letter of current employer (Hier habe ich eine Immatrikulationsbescheinigung hochgeladen)
  • Employment Contract ( Hier habe ich einen Einladungsbrief des Arbeitgebers und die Stipendienzusage des DAAD hochgeladen)
  • Digitales Foto

Fur die Eintrage Employment Records und Employment Reference Letter habe ich Platzhalter hochgeladen.

Schlussendlich habe ich noch folgenden Erklarungstext hochgeladen:

Dear Sir or Madam,

As recipient of the DAAD 2015 RISE worldwide scholarship, I am applying for a work permit with labour market opinion exemption as Research Award recipient.

Since RISE worldwide is a special program of the German Academic Exchange Service (DAAD) that places undergraduate students with international internship projects (more information can be found here: www.daad.de/rise-weltweit/en/index.html ), I do not really have an employment contract. Instead, I have provided the invitation letter that I received from the inviting university and a certificate from the DAAD as proof of my scholarship . As further proof that I meet the requirements of the internship, I have submitted my transcript of records from my university, the University of Konstanz. Moreover, I have submitted a certificate of enrolment ("letter from current employer") from my university. If it is required, I can provide more information about my financial profile (apart from the DAAD scholarship), e.g. about my scholarship from the German National Academic Foundation. As I never was employed so far I uploaded placeholders for "Employment Reference Letter" and "Employment Records". Proof of my status as student at the University of Konstanz can be found under "letter of current employer". I sincerely hope that by applying this way, I have not caused any inconvenience to you. If any more documents should be needed, I will be happy to submit them to you as soon as possible.

Damit hat die Antragstellung problemlos geklappt.

Eine gute Kommunikation mit der Professorin/dem Sekretariat der AG war wichtig, weil diese ebenfalls eine Gebuhr von 230 CAD bezahlen mussten zusatzlich zur Gebuhr von 100 CAD fur den Antragssteller. Die Payment ID und der Paymentbeleg des Arbeitgebers mussten in den Antrag aufgenommen werden.

Nach 5 Wochen war der Work Permit genehmigt. Man erhalt eine Email, dass der Permit genehmigt wurde. Final ausgestellt wird er dann bei Ankunft in Kanada am Flughafen. Die Zeitangaben auf dem Work Permit konnen in Absprache mit dem Beamten dort allerdings noch geandert werden, falls man noch etwas reisen mochte nach dem Praktikum.

Die Universitat

Die Universite de Montreal ist eine der großten frankophonen Unis weltweit, die großte Universitat in Montreal und die zweitgroßte in Canada. Der Hauptcampus ist am Fuße des Mont Royal in den Vierteln Outremont und Cote de Neiges. Sie ist jedoch weniger bekannt als die prestigetrachtige McGill University in Downtown. Die Organisation ist teilweise etwas chaotisch und manche der Angestellten sprechen auch kein Englisch. Das Intranet der Universitat ist komplett in Franzosisch. Hier muss man sich „einschreiben" um den Praktikanten Status zu bekommen. Da es diesen jedoch nicht fur Undergrads gab wurde ich kurzer Hand zunachst als „staigaire cycle superior" gefuhrt. Auch musste ich als Zeitraum Herbst 2015 eingeben. Dies wurde dann spater nach meiner Ankunft von der Administration korrigiert.

Fur die Anmeldung an der Uni musste ich online eine Bearbeitungsgebuhr von 15 CAD und eine Einschreibegebuhr von 150 CAD vor Ort bezahlen.

Alltagssprache im Labor ist sowohl Franzosisch als auch Englisch. Fur Labmeetings und Reports jedoch ausschließlich Englisch.

Unterkunft

Der Wohnungsmarkt in Montreal bietet viel Auswahl und es herrscht viel Leerstand. Die angebotenen Wohnungen haben jedoch einen niedrigeren Standard als in Deutschland, was darauf zuruckzufuhren ist, dass man nirgendwo Kaution zahlt.

Fur die Wohnungssuche empfiehlt sich craigslist oder kijii. Speziell Ende August bis Anfang September gibt es viel Angebot aber auch eine hohe Nachfrage wegen des neuen Semesters. Angebote werden jedoch meist sehr kurzfristig eingestellt.

Über Craigslist kann man sich auch gunstig ein Fahrrad besorgen, was in Montreal nicht ganz unpraktisch ist. Die Fahrradfahrer ignorieren hier jedoch alle Verkehrsregeln und extra abgetrennte Fahrradwege gibt es nur auf den großen Boulevards die Norden und Suden sowie Westen und Osten miteinander verbinden (Beispiel Boulevard de Maisoneuve).

Bezahlen

Ohne Kreditkarte geht in Nordamerika gar nichts. Manche Automaten wie die der Banque Laurentienne berechnen jedoch pauschal fur jeden Automatennutzer Geld. Hier empfiehlt es sich einfach einen anderen ATM zu wahlen.

Fachlicher Teil

In meinem Praktikum habe ich mich fur ein theoretisches Projekt am Computer anstelle von Laborarbeit entschieden, weil ich so in 2 Monaten ein komplettes Projekt abschließen konnte. Im Nachhinein hat sich dies als die goldrichtige Entscheidung herausgestellt.

In meinem Praktikum habe ich Molecular Dynamics (MD) Simulationen eines dimeren Enzyms aus der Klasse der Oxidoreduktasen durchgefuhrt. Meine Aufgaben beinhalteten es eine Trajektorie des Enzyms in einer Wassersphare uber eine Zeitdauer von mehreren Nanosekunden zu simulieren und anschließend die Trajektorie nach Diffusionskanalen fur die Gase Sauerstoff, Kohlenstoffmonoxid und Stickstoff mittels Implicit Ligand Sampling zu durchsuchen. Fur weitere Details kann gerne die aus dem Praktikum resultierende Publikation herangezogen werden. (http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acscatal.6b02154)

Fazit

Ich kann das RISE Weltweit Programm nur jedem nahelegen. Es war toll erste Erfahrungen in der Forschung zu sammlen und auch die Stadt Montreal sowie die umgebende Landschaft ist absolut empfehlenswert. Lediglich im Winter wurde ich Montreal meiden. Hier fallen die Temperaturen auch gerne mal auf -30°C uber mehrere Wochen.